Mittwoch, 23. Mai 2012

Libellentanz

Wir Libellen
Hüpfen in die Kreuz und Quer,
Auf den Quellen
Und den Bächen hin und her.

Schwirrend schweben
Wir dahin im Sonnenglanz:
Unser Leben
Ist ein einz’ger Reigentanz.
Wir ernähren
Uns am Strahl des Sonnenlichts,
Und begehren,
Wünschen, hoffen weiter nichts
Mit dem Morgen
Traten wir ins Leben ein;
Ohne Sorgen
Schlafen wir am Abend ein.
Heute flirren
Wir in Freud’ und Sonnenglanz;
Morgen schwirren
Andre hier im Reigentanz.
c:August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Sonntag, 6. Mai 2012

Maikäfer - gibt’s die noch?

Ein Massenschädling ist selten geworden – Die braunen Brummer machten schon immer Geschichte(n)

»Maikäfer flieg, dein Vater ist im Krieg, deine Mutter ist im Pommerland, Pommerland ist abgebrannt, Maikäfer flieg!«
 
So lautete die erste Strophe eines alten Kinderliedes, das einst in aller Munde war, wenn sich die krabbelnden Sechsbeiner startbereit machten.

Selten geworden: Heute sind die Maikäfer – zur Freude von Landwirt und Förster – an vielen Orten geradezu zu einer Seltenheit geworden, und sie werden für zoologische Handlungen sogar importiert. Noch vor Jahren war der braune Brummer eines der beliebtesten Spielzeuge im Mai – praktisch der einzige als Spielgenosse akzeptierte Vertreter aus dem Käferreich – den man am besten von Birkenbäumen schütteln konnte.
Weil der Käfer relativ so selten geworden ist, weiss mancher nur wenig über den kuriosen Gesellen, der drei Jahre als schneeweisser Engerling in der Erde zubringen muss, bevor er aus der Verpuppung schlüpft und dann nur wenige Wochen zu leben hat.

Ein spezielles Flugobjekt: Lange Zeit war es für die Wissenschaftler rätselhaft, wie ein solcher Blatthornkäfer überhaupt in der Luft fliegen kann. Aber die in Ruhestellung zusammengefalteten und unter den hornartigen Deckpanzern verborgenen Hautflügel ermöglichen den Maikäferarten, ob es sich je nach Brustschildfärbung um »Schornsteinfeger«, »Müller«, »Kaiser« oder »Bäcker« handelt, wenigstens kurze Strecken rasch und unbeholfen zurückzulegen.
Forscher haben in Versuchen herausgefunden, dass Maikäfer in leichten Spiralen fliegen. Die Ursache dafür könnte die unterschiedliche Ausbildung der rechten und linken Flugmuskeln sein, so dass ein Geradeausflug fast nie stattfindet.

Mit den Fühlern riecht er kilometerweit: Die Fortbewegung des Käfers dient in erster Linie der Vermehrung: kilometerweit riecht das Maikäfer-Männchen mit den Fühlern das Maikäferweibchen. »Er« hat sieben Blätter an den Fühlern, »sie« nur sechs kleine. Atmen tut der Käfer übrigens durch besondere Atemlöcher, die sich in den weissen Dreiecken am Hinterleib der Käfer befinden. Vor dem Abflug »pumpt« der Käfer durch diese Atemlöcher ausreichend Luft unter die Flügel. Die »Startphase« hat ein Forscherteam mit einer Hochfrequenzkamera festgehalten: sie beginnt mit heftigem Strampeln der Tiere und schon nach fünf Flügelschlägen heben sie ab.

Fassettenaugen: Mit seinen grossen Knopfaugen sieht der Maikäfer wie andere Insekten seine Welt gleich sechstausendfach, denn aus derart viel sechseckigen Facetten oder Teilaugen besteht das Sehorgan auf jeder Seite des Kopfes. Mit seinen Facettenaugen ist er in der Lage, den höchsten Punkt der Horizont-Silhouette zu registrieren und diesen dann geradlinig anzusteuern.

Landplage:
Maikäfer wurden einst alle vier Jahre zur grossen Landplage. Mit ihren scharfen Kauwerkzeugen fraßen sie als Käfer Obstplantagen und Wälder kahl, die aus den Eiern geschlüpften Engerlinge machten sich über die Wurzeln her.

Symbolisch vor Gericht gestellt: Im Mittelalter glaubte man der Käferplage durch magische Handlungen Herr zu werden. So wurden Maikäfer symbolisch vor Gericht gestellt und zum Verlassen des Landes verurteilt. Natürlich richteten sich weder »Bauern« noch »Schuster« danach und fraßen weiter, bis ihr normales Ende gekommen war. Da die Menschen wenig über den Lebenslauf des Käfers wussten, glaubte man in den nächsten vier maikäferlosen Jahren an die Wirkung des Urteils.

Gesundhatskäfer: Nicht immer waren die braunen Brummer verpönt. In den in Deutschland 1757 erschienenen »Nützlichen Sammlungen« findet sich auch ein bemerkenswerter Beitrag des medizinischen Ratgebers: »Man nehme eine gewisse Quantität Maikäfer im Frühjahre, thue sie in einen steinernen Topf, giesse darauf siedenden Honig, so heiss als möglich, und setze den Topf an einen kühlen Ort, bis zum Gebrauch. Dem Patienten werden davon, und zwar den ersten Tag 9, den zweiten 8, den dritten Tag 7 Käfer, und so ferner alle Tage bis auf einen Käfer eingegeben.« Die Berechnung, wieviel kandierte Käfer es zu einem solchen Countdown brachte, darf jeder Leser selbst vornehmen.

Orakeltier: Der Maikäfer war einst aber auch ein Orakeltier, nach dessen Auftreten man die Ernte vorhersagen konnte. In Schleswig war es noch vor rund 200 Jahren üblich, dass Mädchen und Buben Anfang Mai in den Wald zogen und den ersten Maikäfer feierlich als endgültigen Frühlingsboten in die Stadt holten.

Maikäfer verschwinden zusehends: Erst chemische Insektenvertilgungsmittel sollten dem Maikäfer endgültig den Garaus machen. Doch die Natur wusste sich auch hier zu helfen: die Käfer wurden mit der Zeit gegen viele Gifte zunehmend unempfindlicher. So nehmen die Wissenschaftler heute auch andere Ursachen für den Maikäfermangel an.
Ein Grund wird in der verbesserten Bodenbearbeitung mit tiefgreifenden Schleppergeräten gesehen, bei der fast alle Engerlinge vorher vernichtet werden. Vor unserer Zeit, als noch Pferde und Ochsen den Gespannpflug zogen, konnten die Engerlinge in aller Ruhe im Boden heranwachsen und sich später in braune Käfer verwandeln.
Überlebenschancen: Forscher bezweifeln, dass der Mensch den Maikäfer, der so viele Millionen Jahre älter ist als er, ausrotten kann. Auch so ist ein Aussterben in keiner Weise  zu befürchten. Solange Naturwiesen als Brutplätze und Wälder als Fressplätze vorhanden sind, ist die Existenz des Maikäfers gesichert.
Besonders die grossen und kleinen Brummer aus Schokolade, wie sie im Mai zu Tausenden in Confiserien, Konditoreien und Bäckereien zu entdecken sind helfen das Bild des Maikäfers zu erhalten.
Im Weiteren hat  Willhelm Busch ihnen einen "Streich" gewidmet.

Angelehnt an einen Orginaltext von Ewald Zimmermann 2006

Dienstag, 1. Mai 2012

Tanz der Maiblumen

"Nun hält's auch mich nicht mehr zu Haus
Maiglöckchen ruft auch mich.
Die Blümchen geh'n zum Tanze aus,
zum Tanzen geh' auch ich!"
c: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben