Donnerstag, 29. Dezember 2011

Das Zündholz und die Kerze


 


Es kam der Tag, da sprach das Zündholz zur Kerze: „Ich habe den Auftrag, dich anzuzünden.“
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„Oh nein, nur das nicht“, erschrak die Kerze, „wenn ich brenne, sind meine Tage gezählt, und niemand mehr wird meine Schönheit bewundern.“
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Das Zündholz fragte: „Willst du denn ein Leben lang kalt und hart bleiben, ohne zuvor gelebt zu haben?“
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„Brennen tut weh und zehrt an meinen Kräften“, flüsterte die Kerze angstvoll.
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„So ist es“, entgegnete das Zündholz, „aber das ist das Geheimnis der Berufung: Du und ich, wir sind dazu bestimmt, für andere Licht zu sein. Was ich als Zündholz tun kann, ist noch weniger als das, was in deinen Kräften liegt. Verweigerst du dich meiner Flamme, so verpasse auch ich den Sinn meines Lebens. Ich wurde dazu geschaffen, Feuer zu entfachen, du bist als Kerze da, um zu leuchten und Wärme zu schenken. Alles, was wir an Schmerz, Leid und Kraft hingeben, wird verwandelt in Licht. Wenn wir uns verzehren, gehen wir nicht verloren. Andere werden das Feuer weitertragen. Nur wer sich verweigert, wird sterben.“
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Da senkte die Kerze ihren Docht und sprach leise aber bestimmt: „Ich bitte dich, gib mir dein Licht.“
Gabriele Unkelbach - 1981

Sonntag, 25. Dezember 2011

Das Märchen vom Kerzenlicht







Nein, das hatte es noch nicht gegeben. Eine Kerze, die nicht brennen wollte, war absolut einmalig. Es herrschte grosse Aufregung unter den Kerzen im Wohnzimmer - zumal bald Weihnachten gefeiert werden sollte und die Kerzen mit ihrem festlichen Glanz die Dunkelheit verwandeln wollten.

Eine alte, erfahrene Kerze bot sich an, mit der kleinen zu reden. „Nein, ich möchte nicht brennen", antwortete die Kleine störrisch. „Wer brennt, verbrennt recht bald, und dann ist es um ihn geschehen. Ich möchte bleiben wie ich bin, so schlank, so schön und so elegant."

„Wenn du nicht brennst, bist du tot noch bevor du gelebt hast", antwortete die Alte gelassen. „Dann bleibst du auf ewig Wachs und Docht, und Wachs und Docht sind nichts.
Nur wenn du dich entzünden lässt, wirst du, was du wirklich bist."

„Na, da danke ich schön", entgegnete die Kleine ängstlich. „Ich möchte mich nicht verlieren, ich möchte lieber bleiben, was ich jetzt bin. Gut, es ist etwas langweilig und manchmal etwas dunkel und kalt, aber es tut noch lange nicht so weh wie die verzehrende flackernde Flamme."

„Man kann es eigentlich nicht mit Worten erklären, man muss es erfahren", antwortete die Alte rätselhaft. „Nur wer sich hergibt, verwandelt die Welt, und indem er die Welt verwandelt, wird er auch er selbst. Du darfst nicht über das Dunkel und die Kälte klagen, wen du nicht bereit bist, dich anstecken zulassen." Da ging der kleinen Kerze plötzlich ein Licht auf. „Du meinst, man ist das, was man von sich herschenkt?"

„Ja", antwortete die Alte. „Man bleibt dabei nicht so schlank, so schön und so elegant. Man wird gebraucht und gerät auch etwas aus der Form. Aber man ist mächtiger als jede Nacht und alle Finsternis der Welt."

So geschah es, dass die kleine Kerze ihren Widerstand aufgab und sich entzünden liess. Je mehr sie flackerte, umso mehr verwandelte sie sich in reines Licht und strahlte, als gelte es die ganze Welt zu erwärmen und alle Nächte hell zu machen. Wachs und Docht verzehrten sich, aber ihr Licht leuchtet bis auf den heutigen Tag in den Augen und Herzen all der Menschen, für die sie brannte.
c: Ulrich Peters

Festtagswünsche


Betrachte immer die helle Seite der Dinge!
Und wenn sie keine haben,
dann reibe die dunkle, bis sie glänzt
dt. Sprichwort

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Stille Stunden

Die schönsten Ereignisse sind nicht die lautesten,
sondern unsere stillen Stunden...
c: Friedrich Nietzsche

Samstag, 17. Dezember 2011

Die Welt kennen

Der Sturm sprach einst:
"Ich kenne die Welt, denn ich zerpflücke sie."
Da sprach der Reif:
"Ich kenne die Welt, denn ich erdrücke sie."
Die Sonne lacht:
"Ich kenne sie besser. Ich beglücke sie!"
von Carmen Sylva

Dienstag, 6. Dezember 2011

Was das Leben ist ...


Eines Tages beschloss das Leben, eine Umfrage zu machen. Es wollte von allen nur eine Frage beantwortet haben:
„Was ist das Leben?“
Die Kuh antwortete: „Das Leben ist grün.“
Die Eule antwortete: „Das Leben ist Nacht.“
Die Lerche antwortete: „Das Leben ist ein blauer Himmel.“
Der Schmetterling antwortete: „Das Leben ist Veränderung.“
Die Sonne antwortete: „Das Leben ist Energie.“
Das Wasser antwortete: „Das Leben ist Fliessen.“
Die Steine antworteten: „Das Leben ist fest und beharrlich.“
Der Friedhofswächter antwortete: „Das Leben ist der Anfang vom Ende.“
Und so ging es immer weiter und das Leben sammelte unzählige Antworten, von denen keine der anderen glich.
Am Ende kamen alle Befragten zusammen und stellten nun dem Leben die Frage: 
„Was bist du nun?“
Da antwortete das Leben: „All das zusammen und noch viel mehr.“
 Von Tania Konnert

Sonntag, 4. Dezember 2011

Rose im November

"Nun weiss man erst, was Rosenknospe sei,
Jetzt, da die Rosenzeit vorbei.
Ein Spätling noch am Stocke glänzt, und ganz allein die Blumenwelt ergänzt".
Goethe

Samstag, 3. Dezember 2011

Neue Erfahrungen

"Wer einen gewohnten Weg verlässt,
ist bereit für neue Erfahrungen."
c: Karin Heinrich

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Das Glück ist ein Schmetterling


"Das Glück ist ein Schmetterling", sagte der Meister.
"Jag ihm nach und er entwischt dir.  Setz dich hin, und er lässt sich auf deiner Schulter nieder."
 "Was soll ich also tun, um das Glück zu erlangen?" fragte der Schüler.
 "Hör auf, hinter ihm her zu sein."
 "Aber gibt es nichts, was ich tun kann?"
 "Du könntest versuchen, dich ruhig hinzusetzen, wenn du es wagst."
c: Anthony de Mello