Donnerstag, 29. Dezember 2011

Das Zündholz und die Kerze


 


Es kam der Tag, da sprach das Zündholz zur Kerze: „Ich habe den Auftrag, dich anzuzünden.“
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„Oh nein, nur das nicht“, erschrak die Kerze, „wenn ich brenne, sind meine Tage gezählt, und niemand mehr wird meine Schönheit bewundern.“
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Das Zündholz fragte: „Willst du denn ein Leben lang kalt und hart bleiben, ohne zuvor gelebt zu haben?“
– 

„Brennen tut weh und zehrt an meinen Kräften“, flüsterte die Kerze angstvoll.
-

„So ist es“, entgegnete das Zündholz, „aber das ist das Geheimnis der Berufung: Du und ich, wir sind dazu bestimmt, für andere Licht zu sein. Was ich als Zündholz tun kann, ist noch weniger als das, was in deinen Kräften liegt. Verweigerst du dich meiner Flamme, so verpasse auch ich den Sinn meines Lebens. Ich wurde dazu geschaffen, Feuer zu entfachen, du bist als Kerze da, um zu leuchten und Wärme zu schenken. Alles, was wir an Schmerz, Leid und Kraft hingeben, wird verwandelt in Licht. Wenn wir uns verzehren, gehen wir nicht verloren. Andere werden das Feuer weitertragen. Nur wer sich verweigert, wird sterben.“
-

Da senkte die Kerze ihren Docht und sprach leise aber bestimmt: „Ich bitte dich, gib mir dein Licht.“
Gabriele Unkelbach - 1981

Sonntag, 25. Dezember 2011

Das Märchen vom Kerzenlicht







Nein, das hatte es noch nicht gegeben. Eine Kerze, die nicht brennen wollte, war absolut einmalig. Es herrschte grosse Aufregung unter den Kerzen im Wohnzimmer - zumal bald Weihnachten gefeiert werden sollte und die Kerzen mit ihrem festlichen Glanz die Dunkelheit verwandeln wollten.

Eine alte, erfahrene Kerze bot sich an, mit der kleinen zu reden. „Nein, ich möchte nicht brennen", antwortete die Kleine störrisch. „Wer brennt, verbrennt recht bald, und dann ist es um ihn geschehen. Ich möchte bleiben wie ich bin, so schlank, so schön und so elegant."

„Wenn du nicht brennst, bist du tot noch bevor du gelebt hast", antwortete die Alte gelassen. „Dann bleibst du auf ewig Wachs und Docht, und Wachs und Docht sind nichts.
Nur wenn du dich entzünden lässt, wirst du, was du wirklich bist."

„Na, da danke ich schön", entgegnete die Kleine ängstlich. „Ich möchte mich nicht verlieren, ich möchte lieber bleiben, was ich jetzt bin. Gut, es ist etwas langweilig und manchmal etwas dunkel und kalt, aber es tut noch lange nicht so weh wie die verzehrende flackernde Flamme."

„Man kann es eigentlich nicht mit Worten erklären, man muss es erfahren", antwortete die Alte rätselhaft. „Nur wer sich hergibt, verwandelt die Welt, und indem er die Welt verwandelt, wird er auch er selbst. Du darfst nicht über das Dunkel und die Kälte klagen, wen du nicht bereit bist, dich anstecken zulassen." Da ging der kleinen Kerze plötzlich ein Licht auf. „Du meinst, man ist das, was man von sich herschenkt?"

„Ja", antwortete die Alte. „Man bleibt dabei nicht so schlank, so schön und so elegant. Man wird gebraucht und gerät auch etwas aus der Form. Aber man ist mächtiger als jede Nacht und alle Finsternis der Welt."

So geschah es, dass die kleine Kerze ihren Widerstand aufgab und sich entzünden liess. Je mehr sie flackerte, umso mehr verwandelte sie sich in reines Licht und strahlte, als gelte es die ganze Welt zu erwärmen und alle Nächte hell zu machen. Wachs und Docht verzehrten sich, aber ihr Licht leuchtet bis auf den heutigen Tag in den Augen und Herzen all der Menschen, für die sie brannte.
c: Ulrich Peters

Festtagswünsche


Betrachte immer die helle Seite der Dinge!
Und wenn sie keine haben,
dann reibe die dunkle, bis sie glänzt
dt. Sprichwort

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Stille Stunden

Die schönsten Ereignisse sind nicht die lautesten,
sondern unsere stillen Stunden...
c: Friedrich Nietzsche

Samstag, 17. Dezember 2011

Die Welt kennen

Der Sturm sprach einst:
"Ich kenne die Welt, denn ich zerpflücke sie."
Da sprach der Reif:
"Ich kenne die Welt, denn ich erdrücke sie."
Die Sonne lacht:
"Ich kenne sie besser. Ich beglücke sie!"
von Carmen Sylva

Dienstag, 6. Dezember 2011

Was das Leben ist ...


Eines Tages beschloss das Leben, eine Umfrage zu machen. Es wollte von allen nur eine Frage beantwortet haben:
„Was ist das Leben?“
Die Kuh antwortete: „Das Leben ist grün.“
Die Eule antwortete: „Das Leben ist Nacht.“
Die Lerche antwortete: „Das Leben ist ein blauer Himmel.“
Der Schmetterling antwortete: „Das Leben ist Veränderung.“
Die Sonne antwortete: „Das Leben ist Energie.“
Das Wasser antwortete: „Das Leben ist Fliessen.“
Die Steine antworteten: „Das Leben ist fest und beharrlich.“
Der Friedhofswächter antwortete: „Das Leben ist der Anfang vom Ende.“
Und so ging es immer weiter und das Leben sammelte unzählige Antworten, von denen keine der anderen glich.
Am Ende kamen alle Befragten zusammen und stellten nun dem Leben die Frage: 
„Was bist du nun?“
Da antwortete das Leben: „All das zusammen und noch viel mehr.“
 Von Tania Konnert

Sonntag, 4. Dezember 2011

Rose im November

"Nun weiss man erst, was Rosenknospe sei,
Jetzt, da die Rosenzeit vorbei.
Ein Spätling noch am Stocke glänzt, und ganz allein die Blumenwelt ergänzt".
Goethe

Samstag, 3. Dezember 2011

Neue Erfahrungen

"Wer einen gewohnten Weg verlässt,
ist bereit für neue Erfahrungen."
c: Karin Heinrich

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Das Glück ist ein Schmetterling


"Das Glück ist ein Schmetterling", sagte der Meister.
"Jag ihm nach und er entwischt dir.  Setz dich hin, und er lässt sich auf deiner Schulter nieder."
 "Was soll ich also tun, um das Glück zu erlangen?" fragte der Schüler.
 "Hör auf, hinter ihm her zu sein."
 "Aber gibt es nichts, was ich tun kann?"
 "Du könntest versuchen, dich ruhig hinzusetzen, wenn du es wagst."
c: Anthony de Mello

Mittwoch, 30. November 2011

Der Kohl

Unter all den hübschen Dingen
In der warmen Sommerzeit
Ist ein Korps von Schmetterlingen
Recht ergötzlich insoweit.

Bist du dann zu deinem Wohle
In den Garten hinspaziert,
Siehst du über deinem Kohle Muntre Tänze aufgeführt.

Weiss gekleidet und behende
Flattert die vergnügte Schar,
Bis dass Lieb und Lust zu Ende
Wieder mal für dieses Jahr.

Zum getreuen Angedenken,
Auf den Blättern kreuz und quer,
Lassen sie zurück und schenken
Dir ein schönes Raupenheer.

Leidest du, dass diese Sippe
Weiterfrisst, wie sie begehrt,
Kriegst du, nebst dem Blattgerippe,
Nur noch Proben ohne Wert.

Also ist es zu empfehlen,
Lieber Freund, dass du dich bückst
Und sehr viele Raupenseelen,
Pitsch, aus ihren Häuten drückst.

Denn nur der ist wirklich weise,
Der auch in die Zukunft schaut.
Denk an deine Lieblingsspeise:
Schweinekopf mit Sauerkraut.
c: Willhelm Busch

Freitag, 25. November 2011

Natur des Menschen

"Es liegt in der Natur der Menschen, dass sie nicht über einen Berg stolpern, wohl aber über einen Ameisenhügel"
c: Lü Bu We, (um 300 - 235 v. Chr.)

Montag, 21. November 2011

Herbsthimmel

"Ich ziehe deshalb den Herbst dem Frühjahr vor,
weil das Auge im Herbst den Himmel,
im Frühjahr aber die Erde sucht... "
c: Søren Kierkegaard

Mittwoch, 9. November 2011

Fehlerfrei?

"Perfekten Menschen fehlt es an Fehlern... "
c: Ernst Ferstl

Samstag, 5. November 2011

Farbige Erfahrungen

"Die Erfahrung lehrt uns, dass die einzelnen Farben besondere Gemütsstimmungen geben."
c: Johann Wolfgang von Goethe,

Sonntag, 30. Oktober 2011

Igel Krummbeins Reise in die Welt




Dem Igel Krummbein gefiel es daheim nicht mehr Darum sprach er zu seiner Frau: „Ich bin schon so alt, aber in meinem Leben noch gar nicht weit fortgekommen. Ich werde mir mal die Welt ansehen." Mama Igel kicherte:"haha ha" und sagte: "Du wirst nicht weit kommen“.

Am frühen Morgen — ach nein, am späten Abend — wachte Meister Krummhein auf und schlüpfte aus seinem Gebüsch am Zaun heraus. Er ging immer seiner Nase nach, ganz vorsichtig kroch er durch den Zaun und trippelte hinüber in den nächsten Garten. Er schnupperte und schnupperte mit dem schwarzen Näschen überall am Boden hin  und kam endlich an einen grossen Erdhaufen. Hier machte er halt.  Er wühlte und wühlte. Was es da zu schmausen gab! Würmer, Schnecken und noch mehr. Als sich unser Vielfrass toll und voll gefressen hatte, musste er ein bisschen ausruhen.

Da raschelte etwas durchs Gras. Der Igel hörte es gleich und dachte: Wohl ein Fuchs? Nein, bloss ein Hund. Na, der Tolpatsch kann mir nichts tun.
Der Igel blieb stehen und rollte sich zusammen, dass er aussah wie eine Kugel. Den Kopf zog er ein nicht einmal die Beine warnen zu sehen. Der Igel zuckte sieh nicht. Bello — so hiess der Hund riss die Augen auf, bellte den Igel laut an, machte das Maul weit auf, schoss auf ihn los und schnapp - wollte er den Igel tot beissen -   „Au, au!“ Die Stacheln vom Igel stachen wie Spiesse dem Hunde in die Schnauze. Die blutete nun. Bello hatte genug. Er zog den Schwanz ein, machte ein grimmiges Gesicht und nahm aus lauter Angst reissaus.

Hernach wickelte sich Igel Krummbein wieder langsam auf und bummelte gemütlich weiter. Wie er wieder ein Stück fortgehumpelt war, glänzte etwas wie ein grosser, blanker Spiegel vor seinen Augen. Der Igel stutzte. Ein Teich kam ihm in die Quere. Der Igel wollte nun über das Wasser. Aber das Schwimmen ist nicht leicht. Zum Durchwaten waren seine Beine zu kurz.
Da musste er weiter, immer weiter  gehen am Wasser hin. Er merkte gar nicht, dass er in einem fort bloss um den Teich herum marschierte. Immer schimmerte und flimmerte ihm das viele, viele Wasser vor seinen Augen. Es wurde ihm ordentlich schwindelig. Da bekam er die Sache satt und dachte: Wenn weiter nichts als Wasser zu sehen ist, da wird die Welt zu Ende sein. Du kehrst um.

Und das tat er auch. Bald fand er den richtigen Weg nach Hause. Er musste sich sputen, da es schon etwas Tag wurde und der Gickelhahn bald krähen wollte.
Meister Krummbein kam vom seiner grossen Reise ans ausser Atem wieder daheim an. Seine Frau lachte ihn tüchtig aus und sagte: „Schon wieder da?“ der Herr Igel brummte etwas vor sich hin, das man nicht verstehen konnte. Die Beine taten ihm vom vielen Laufen so weh und die Füsse waren so wund, dass er gleich In seinen Schlupfwinkel kroch und von seiner Weltreise ausruhte.

Als er von seinem langen Schlafe erwachte, fing er an, seiner Frau alles haarklein zu erzählen, was er unterwegs erlebt hatte. Wie er von dem grossen, tiefen Wasser sprach, da war seine Frau froh, dass er nicht hineingeplumst war.



 Von Emil Zeissig aus Sachsen um 1930


Donnerstag, 27. Oktober 2011

Weisheit der Igel

"Gegen das Kleine stachlig zu sein, ist eine Weisheit für Igel... "
c: Friedrich Nietzsche

Montag, 24. Oktober 2011

Der philosophische Storch







Ein Storch grübelte viel über die im Reiche der Vögel bestehende Ungleichheit. Ihn ärgerten die Enten, die im schmutzigen Tümpel unter ihm lebten, die Adler, die auf den wilden Felsen horsteten, und die Nachtigallen, die im Gebüsch ihre Nester bauten. Endlich kam er zu dem Schluss, dass die Erziehung allein die Ursache dieser Missstände sei. So flog er denn umher und bat sich von der Ente, dem Adler und der Nachtigall je ein Ei aus, um wie er sagte, einen für die Vogelwelt wichtigen Versuch zu machen, durch den die Gleichheit aller fliegenden Geschöpfe gesichert würde.

Dann brütete er seine Pflegebefohlenen sorgfältig aus. Und siehe: das kleine Entchen war kaum flügge, so flog es davon, stürzte sich kopfüber in den Tümpel und begann lustig zu schwimmen, der kleine Adler flog hinauf in die Felsen und kam nicht wieder, die Nachtigall aber starb, denn sie konnte die Storchnahrung nicht vertragen.

Der Storch klapperte nun in tiefen Gedanken. Dass er sich geirrt haben könne, gab er nicht zu, war er doch ein weiser Mann, und so sagte er, unbelehrt durch den Misserfolg seiner genialen Probe: »Das Prinzip ist dennoch richtig, ich muss nur nach einer neuen Methode suchen. Ehe nicht alle Vögel Störche sind, ist ein Fortschritt im Vogelreich unmöglich.«

So sinnt der Philosoph heute noch auf die neue Methode.

E.T.

Freitag, 21. Oktober 2011

Goetes Libelle

"Es flattert um die Quelle  - Die wechselnde Libelle,
Mich freut sie lange schon; - Bald dunkel und bald helle,
Wie der Chamäleon, - Bald rot, bald blau,
Bald blau, bald grün; - O dass ich in der Nähe
Doch ihre Farben sähe!
Sie schwirrt und schwebet, rastet nie!
....... "
c: Johann Wolfgang von Goethe

Montag, 17. Oktober 2011

Woher der Fliegenpilz seine weissen Flecken hat


Früher hatten die kleinen Pilzkinderchen keine Hütchen auf dem Kopf. Da wurden sie immer pitsche- patsche- nass, wenn sie im Regen in den Wald liefen. Und das taten sie doch so gern; denn da war das Moos so schön grün und frisch und die Pfützen im Wald so schön tief, dass sie tüchtig drin herumplanschen konnten. Und die Pilzmütterchen hatten gesagt, wenn man in den Maienregen lief, dann würde man gross, und sie wollten doch auch gern gross werden.

Aber einmal hatte es so fürchterlich geregnet, und sie waren so durchnässt, dass sie alle den Schnupfen kriegten und ins Bettchen mussten. Da beschloss Pilzmütterchen, ihren Kindern zu Weihnachten schöne Hütchen zu schenken. Und richtig, als Weihnachten kam, fanden sie alle auf ihren Plätzen Hütchen. Ei, wie sie sich da freuten und stolz waren! Champignon hatte eine weisse Kapuze mit rosaseidenem Futter bekommen, Mufferon ein kleines, flaches, graubraunes Hütchen. Baumschwamm setzte sich gleich seine breite Schirmmütze auf und lief zu seinem Freund Weidenstrunk, um sie ihm zu zeigen. Hallimasch stülpte sich eine runde braune Lederkappe auf und rannte, was er konnte, hinaus auf die Chaussee, um sie dort von allen, die vorübergingen, bewundern zu lassen. Reitzker schmückte sich mit einem flachen, breiten Hut mit Fransen und gelblichem, gefältelten Futter, und Steinpilz stolzierte gravitätisch mit seinem glänzenden braunen Helm einher.

Nur einer war nicht zufrieden mit seinem Hut, das war Herr Fliegenpilz. Das war überhaupt so ein Schlingel, der immer in giftigem Neid sich erbosen konnte, wenn seine Geschwister Spielzeug oder andere Sachen bekamen, die er nicht besass. Der hatte einen schönen weissen Hut bekommen, aber er war ihm nicht schön genug; ja Pfifferling, der kleine lustige Schelm mit seinem keck aufgekrempten Hütchen, oder Morchel mit seiner schwarzen Tscherkessenmütze, die hatten es viel schöner. Wenn er doch auch einen bunten Hut hätte! Da kam ihm ein guter Einfall. Dort im Walde wohnte ja sein Freund, der Zwerg Klerel, der jedes Jahr im Frühling all die Blumen und im Herbst all die Blätter im Walde bunt anzustreichen hatte. Zu dem wollte er gehen und sich seinen Hut färben lassen.
Und richtig, heimlich schlüpfte er fort und suchte Klerel auf. Leider traf er ihn nicht zuhause an. Aber, was schadet es? Da standen ja seine bunten Farbentöpfe – gelb und grün und blau und braun und lila und rot! Ja, rot, das wäre fein! Einen roten Hut hatte kein anderes Pilzkind. Also, was machte er? Flugs den Hut vom Kopfe und hineingetunkt in den roten Farbtopf und dann flink wieder nach Hause! –

Als er nach Hause kam, wollte gerade Pilzmütterchen mit ihren Kinderlein spazieren gehen. Natürlich, da musste er mit. Stolz setzte er seinen roten Hut auf, und alle sagten: „Ah!“ und „Oh!“, als sie ihn sahen. Nur Pilzmütterchen sagte gar nichts, aber sie dachte in ihrem Herzen, dass das doch gar nicht schön vom Fliegenpilz sei.

Kaum waren sie ein halbes Stündchen gegangen, da fing es an zu regnen. Hei, wie sich die Pilzkinderchen freuten, dass sie Hütchen auf den Köpfchen hatten und nun nicht nass wurden! Aber sie kehrten doch lieber wieder um. Zuhause angekommen, setzten sie ihre Hüte ab, um sie an den Nagel zu hängen, zum Trocknen. Auch Fliegenpilz nahm seinen Hut herunter – aber, o weh, wie sah der aus! Die Farbe war noch nicht trocken geworden, als er ihn in der Geschwindigkeit aufgesetzt hatte, und überall, wo ein Regentröpflein darauf gefallen war, war ein weisser Fleck!
Als er das sah, fing er an, bitterlich zu weinen; so ärgerte er sich. Dann warf er wütend seinen verdorbenen Hut in die Ecke und wollte sich hinaus schleichen. Denn eigentlich schämte er sich vor den anderen Pilzkinderchen. Aber Pilzmütterchen fragte: „Siehst du, wärst du hübsch zufrieden gewesen mit deinem Hute, so hättest du nun einen schönen, sauberen, weissen Hut. Nun musst du immer den roten Hut mit den weissen Flecken tragen!“

c: Paul Blau

Sonntag, 16. Oktober 2011

Glückspilze

"Glückspilze sind für Pechvögel ungeniessbar,
meistens sogar sehr giftig..."
c: Ernst Ferstl

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Märchen vom Regenbogen

 Vor langer Zeit begannen die Farben dieser Welt zu streiten. Jede behauptete von sich, sie sei die Beste, die Wichtigste, die Nützlichste, die Beliebteste!

Grün sagte: Klar bin ich die Wichtigste! Ich bin das Symbol für Leben und Hoffnung. Ich wurde gewählt für das Gras, für die Bäume und die Blätter. Ohne mich würden alle Tiere sterben. Schaut euch doch in der Landschaft um und ihr werdet sehen, dass ich in der Mehrheit bin!

Blau unterbrach: Du denkst nur an die Erde! Aber betrachte doch den Himmel und das Meer! Es ist das Wasser, das die Basis für alles Leben ist und von den Tiefen des Meeres in die Wolken hinaufgezogen wird. Der Himmel gibt Raum, Frieden und Unendlichkeit. Ohne meinen Frieden wärt ihr alle nichts!

Gelb lachte in sich hinein: Ihr seid alle so ernst. Ich bringe Lachen, Fröhlichkeit und Wärme in die Welt. Die Sonne ist gelb, der Mond ist gelb, die Sterne sind gelb ... Eine Sonnenblume bringt die Welt zum Lächeln. Ohne mich gäbe es keinen Spass!

Orange begann als nächste ihr Lob zu singen: Ich bin die Farbe der Gesundheit und der Erneuerung. Ich mag rar sein, aber kostbar, denn ich diene den Bedürfnissen menschlichen Lebens. Ich überbringe die wichtigsten Vitamine. Denkt an Karotten, Kürbis, Mangos und Papayas. Ich hänge nicht ständig herum, aber wenn ich den Himmel zum Sonnenauf- oder -untergang färbe, ist meine Schönheit so eindrucksvoll, dass niemand einen Gedanken an einen von euch verschwendet.

Rot konnte es nicht länger aushalten und rief aus: Ich bin der Herrscher von allen! Ich bin das Blut - Lebensblut! Ich bin die Farbe der Gefahr und der Tapferkeit. Ich bin bereit für etwas zu kämpfen Ich bringe Feuer ins Blut. Ohne mich wäre die Erde so leer wie der Mond. Ich bin die Farbe der Leidenschaft und der Liebe, der roten Rose und der Mohnblume.

Purpur erhob sich zu ihrer vollen Größe: Sie war sehr gross und sprach mit Pomp: Ich bin die Farbe der Fürsten und der Macht. Könige, Häuptlinge und Bischöfe haben immer meine Farbe gewählt, weil ich das Symbol für Autorität und Weisheit bin. Niemand zweifelt an mir, man hört und gehorcht.

Schließlich sprach Indigo , viel leiser als all die anderen, aber mit ebensolcher Bestimmtheit: Denkt an mich. Ich bin die Farbe der Stille. Ihr nehmt mich kaum wahr, aber ohne mich würdet ihr alle oberflächlich werden. Ich repräsentiere Gedanken und Betrachtung, Zwielicht und tiefes Wasser. Ihr braucht mich für das Gleichgewicht und für den Kontrast, für das Gebet und den inneren Frieden.

Und so fuhren die Farben fort zu prahlen, jede von ihrer eigenen Erhabenheit überzeugt. Ihr Streit wurde lauter und lauter. Plötzlich war da ein heller Blitz und grollender Donner. Regen prasselte schonungslos auf sie nieder Die Farben drückten sich voll Furcht eine an die andere, um sich zu schützen.

Inmitten des Lärms begann der Regen zu sprechen: "Ihr dummen Farben streitet untereinander und versucht die anderen zu übertrumpfen! Wisst ihr nicht, dass jede von euch für einen ganz bestimmten Zweck geschaffen wurde, einzigartig und besonders? Reicht euch die Hände und kommt zu mir."
Sie taten wie ihnen geheissen wurde, kamen zusammen und reichten sich die Hände .
Der Regen fuhr fort: Von nun an, wenn es regnet, erstreckt sich jede von euch in einem grossen Bogen über den Himmel, um daran zu erinnern, dass ihr alle in Frieden miteinander leben könnt. Der Regenbogen ist ein Zeichen der Hoffnung auf ein Morgen. Daher, immer wenn ein guter Regen die Welt wäscht und ein Regenbogen am Himmel erscheint, erinnern wir uns daran, einer den anderen zu würdigen.
von Shiralee Cooper

Montag, 10. Oktober 2011

Regenbogen

"Der Regenbogen entschädigt einen gewöhnlich dafür,
dass man im Regen stehen muss... "
c: Paul Wilson

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Wer klaut, kommt in den Knast



Die Elster leidet an dem Zwang zu klauen  schon ihr Leben lang.
Ob gold es oder silbern blitzt, was wertvoll scheint, das wird stibitzt.

Ist was nicht niet- und nagelfest, die Diebin schleppt es in ihr Nest.
Dem Drang kann sie nicht widerstehn: Sie findet Glitzerkram zu schön.

Zuerst späht sie und schleicht sich an, schnell greift sie zu, verschwindet dann.
Doch ihr Gesicht bleibt unentdeckt mit einer Kappe gut versteckt.

Da knackst der Ast, bricht bei der Last, so wird die Gaunerin gefasst.
Schwarz-weis gestreift ist ihr Anzug denn jetzt sitzt sie im Strafvollzug!

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Und die Moral von der Geschicht?

Dumm ist, wird man als Dieb erwischt!
Wer immerzu von andren klaut, wird seiner Freiheit selbst beraubt.

c: Sean-Andrew Kollak




Freitag, 30. September 2011

Dem Rotkehlchen lauschen




Von Weltenbummlern und Nesthockern

Ein Rotkehlchen erzählt, warum die Klimaerwärmung auch eine gute Seite hat. Wie Buchfinken ihre Beziehung in Schwung halten. Und was man mit Ameisen so alles anstellen kann.

Haaach, ist das eine Ruhe hier! Herrlich! Wir Rotkehlchen sind ja nicht so die Geselligen, deshalb schätze ich es sehr, wenn die meisten meiner Bekannten jetzt im Oktober die Gärten geräumt haben. Viele meiner Artverwandten besiedeln jetzt lieber Waldsäume und Feld-ränder mit breiten, dichten Hecken. Die reifen Beeren dort locken! Aber wenn das Futter zur Neige geht, kommen sie bald zurück in die Gärten - in der Hoffnung auf gut gefüllte Futterhäuschen. Ich bleibe lieber gleich hier, denn wenn ich nicht ständig auf der Hut bin, wird mir mein Revier streitig gemacht! Jedes von uns Rotkehlchen beansprucht für sich allein oder als Paar zwischen 250 und 1000 qm. Und mein Revier, nun, das ist schon etwas Besonderes, denn hier wachsen Pfaffenhütchen! Hmmm.... Die Leibspeise aller Rotkehlchen. Also: Rotauge, ähm Rotkehlchen, sei wachsam!

Wie Ihr wisst, machen sich nun die Langstreckenflieger auf den Weg in den warmen Süden. Das sind die Rotschwänzchen (Phoenicurus), die Grasmücken (Sylvia), Singdrosseln, Stare, die Schwalben. Bei manch anderen, den Teilziehern, fliegt dagegen nur ein Teil der Population. Dazu gehören Stieglitze, Gimpel, Buchfinken oder eben auch wir Rotkehlchen. Früher hab ich die lange Reise zum Mittelmeer auch mal mitgemacht. Aber so ein Flug über die Alpen schlaucht ganz schön. Seither bleib ich lieber hier - und bin damit keineswegs allein: Die milder werden-den Winter... nun, die Klimaerwärmung hat manchmal auch ihre guten Seiten. Die Buchfinken halten es trotzdem noch so, dass die Weibchen im Winter Frauen-Urlaub im Süden machen und die Männchen hier auf sie warten. So ein bisschen Abstand soll ja manchmal ganz gut tun...

Übrigens, in den 60er/70er Jahren haben die Menschen auch endlich verstanden, warum wir uns so hervorragend orientieren können und zielgenau ins Winterquartier und zurück finden: Unser Magnetsinn weist uns den Weg mit Hilfe des Magnetfeldes der Erde. Ein Friedrich Wilhelm Merket und seine Forschergruppe sind darauf gekommen - und ihr Forschungsobjekt waren: Rotkehlchen natürlich! düdeldüüü, düdeldüüüü... Entschuldigung, aber dieses Dämmerlicht.... düdeldüüü... das verleitet gerade uns Männchen immer zum Singen, ob morgens oder abends, das ganze Jahr über. Wenn ich's mir recht überlege, singt es sich jetzt im Herbst eigentlich am besten, denn viele andere Vögel sind um diese Zeit eher stumm... düdeldüüü... da kommt unser Repertoire von insgesamt 275 (!!) unterschiedlichen Motiven erst so richtig schön zur Geltung. Aber eigentlich singen wir mit dem grössten Enthusiasmus so zwischen März und Mai - Ihr wisst schon, um die Weibchen zu beeindrucken.
Hat das gut geklappt, geht's ab März/April ans Brüten. Eine schöne gemeinsame Zeit ist das. Und vor allem liebe ich es, den kleinen Nesthockern vorzusingen, damit sie sich unsere vielfältigen Strophen einprägen können. Nur leider kommt es gerade bei uns allzu oft zu echten Familiendramen: Wir nisten am liebsten direkt über dem Erdboden in offenen Halbhöhlen in Reisighaufen, hohlen Baumstümpfen oder auch mal in einem vergessenen Gummistiefel. Da sind wir, und besonders die Kleinen, willkommene Beute für diese haarigen Viecher, Katzen nennt ihr sie wohl. Sie und andere Jäger machen uns so sehr zu schaffen, dass unsere durchschnittliche Lebenserwartung bei 1,2 Jahren liegt -obwohl wir gut 17 Jahre und älter werden könnten! Zugegeben, sie sind das nicht allein: Auch Insekten- und Pflanzenvernichtungsmittel - pfuiii.... Denn eigentlich sind die Insekten und deren Larven unsere bevorzugte Nahrung. Und wenn die vergiftet werden, landen die Giftstoffe später auch bei uns im Magen.

Zur Ablenkung such ich mir jetzt eine Ameise! Gefiederpflege ist angesagt. Wie das geht? Ganz einfach: Man schnappe sich eine lebende Ameise ganz vorsichtig mit dem Schnabel und ziehe sie durch das Gefieder. Die abgegebene Ameisensäure pflegt die Federn und bekämpft Bakterien und Pilze - auf ganz natürliche Art! Und wenn wir es mal ganz nötig haben, legen wir uns mit weit geöffneten Flügeln in einen Ameisenhügel oder auf eine Ameisenstrasse. Aber passt, ganz heimlich - das sieht immer ein bisschen peinlich aus...


c: Kerstin Ackermann
Publikation GartenFlora 10/11

Montag, 26. September 2011

Vom Schädling zur Schönheit

Ganz schön gefrässig!
Die Raupe fristet ihr Dasein und frisst in Blätter Löcher rein.
Ist drum als Schädling wohlbekannt im Garten und im ganzen Land.
Das Blattwerk, das setzt sich zur Wehr, schmeckt bitter und verdaut sich schwer.
Der Gärtner gar zum Gifte greift und so den Nimmersatt vertreibt.
Voll Trauer zieht sie sich zurück und baut sich langsam, Stück für Stück,
ein kleines, karges Kämmerlein, sitzt drin im Dunkeln – ganz allein.
Bis dass die grosse Stunde naht, die Schönheit sich entfaltet hat.
Den Schädling mochte man einst nicht, nun kommt der Schmetterling ans Licht.
 
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Was lernt, wer Acht gibt, nun daraus?
Manch Schönes sieht erst schrecklich aus.
Wer seine Meinung vorschnell fällt, sieht nur das Schlechte in der Welt.
c:Sean-Andrew Kollak,

Dienstag, 20. September 2011

Summende Hummeln

"Warum summen die Hummeln?
Weil sie den Text nicht kennen."
Kalenderspruch

Sonntag, 18. September 2011

Neugierig

"Die Glücklichen sind die Neugierigen"
c.Fridrich Nietsche

Montag, 5. September 2011

Interview mit einem Maulwurf

 






Kaum jemand bekommt ihn zu Gesicht und doch hat fast jeder eine Meinung über ihn. Weil er mit seinen Hügeln mühevoll gepflegte Rasenfläche in eine Kraterlandschaft verwandelt, ist er alles andere als beliebt. Grund genug, einmal mehr über den fleissigen Wähler im Untergrund zu erfahren. Wir haben den Maulwurf zu einem Gespräch gebeten.
Sie führen ein sehr heimliches Leben, verbringen die meiste Zeit unter der Erde. Viele Menschen haben Sie noch nie gesehen. Auch über Ihre Familienver­hältnisse ist wenig bekannt. Es wird Zeit etwas Licht ins Dunkel zu bringen. 
Ein Grossteil meiner Sippschaft lebt in Nord­amerika, entfernte Verwandte haben wir aber auch im heissen Australien. Selbst in Japan kommen wir vor. Wer mich kennt, nennt mich übrigens Talpa europaea oder kurz „Talpa".

Sind Sie eigentlich mit den Wühlmäusen verwandt, Herr Talpa?
Ich bitte Sie! Wühlmäuse sind Nagetiere. Wenn Sie mal näher kommen wollen, um mir ins Gebiss zu schauen: Was Sie sehen, sind 44 Raubtierzähne — gemacht für die Jagd auf Insekten und Würmer und nicht für das Nagen an Wurzeln. Ich gehöre zur Ordnung der Insektenfresser wie Spitzmaus, Igel und Fledermaus.

Welche Insekten stehen auf Ihrem Speiseplan, Herr Talpa?
Hauptsächlich besteht meine Kost aus Regenwürmern. Sie sind einfach zu fangen, .denn sie fallen in meine Gänge oder ich treffe sie beim Graben. Wenn ich mehr fange, auf einmal verspeisen kann, lege ich mir einen Vorrat an. Mache ihn mit einem machen Biss bewegungsunfähig und bringe ihn dann in eine von mir gegrabene Vor­ratskammer. Ein Festmahl sind für mich auch Engerlinge, Drahtwürmer oder die Larven der Schnake — sehr eiweißreich und saftig. Gärtner sollten mir dafür danken. Ich räume unter den von ihnen so titulierten Schädlingen nämlich ordentlich auf. 

Woher komm! dieser Bärenhunger für ein vergleichsweise kleines Tier? 
Mein reger Stoffwechsel ist Schuld daran. Ständig muss ich essen — etwa 50 Gramm am Tag. Stellen Sie sich vor, Sie müssten täglich etwa die Hälfte Ihres Körpergewichts zu sich nehmen. Wenn ich länger als acht Stunden keinen Wurm zwischen die Zähne kriege, bedeutet das mein Ende. 

Herr Talpa, was mir an Ihnen sofort aufgefallen ist, sind Ihre unglaublich großen Hände. Wozu brauchen Sie die? 
Wer täglich unter Tage malocht wie ich, braucht funktionales Werkzeug. Meine Hände sind wie mein ganzer Körper das Ergebnis von Tausenden Jahren Anpassung an das Leben unter der Erde. Die anatomischen Details erspare ich Ihren Lesern. Mit meinen dicht am pelzigen Körper liegenden Grabe-schaufeln buddel ich bis zu sieben Meter Gang pro Stunde. Für den 3,3 km langen neuen Elbtunnel hätte ich also gerade mal drei Wochen gebraucht. Ich will damit nicht protzen. Aber vielleicht sind Ihre Leser jetzt weniger verwundert, wenn sie beim morgendlichen Blick aus dem Fenster auf ih­rer am Vorabend noch ebenen Rasenfläche eine grosse Zahl meiner Hügel sehen.

Verraten Sie uns, warum Sie die Erde immer nach oben schieben?
Ich grabe ein ausgedehntes, oft in Kreisen laufendes Tunnelsystem in 10 bis 20 cm Tiefe. Nur im Winter grabe ich tiefer. Dann folge ich meinen Beutetieren, die in frost­freie Bodenregionen ausweichen. Wer schon mal eine Sandburg gebaut und darin einen Tunnel gegraben hat, weiss, wie viel Erd­aushub anfällt. Der muss ja irgendwohin. Ich drücke ihn mit meinen Grabeschaufeln aus dem Gang — nicht senkrecht, sondern schräg nach oben. Die Hügel, über die sich Ihre In­nung so ereifern kann, liegen dementspre­chend nicht direkt über dem Gang.

Warum fühlen Sie sich in manchen Gärten wohler als in anderen?
Ich freu mich vor allem über einen reich ge­deckten Tisch. In lockeren, humosen Böden finde ich geradezu paradiesische Zustände vor. Hier leben viele Regenwürmer. Zudem fällt mir das Graben leicht und ich muss nicht alle paar Meter einen Haufen hoch­schieben. In Beeten fallen meine Haufen deshalb oft gar nicht auf. Unter stark verdichteten Rasenflächen sieht es ganz anders aus: Das Buddeln bedeutet Schwerst­arbeit für mich, viel mehr Aushub muss viel öfter an die Oberfläche befördert werden. Hier leben auch weniger Regenwürmer. Ich muss also längere Gänge anlegen. Viele und dazu auch noch grosse Haufen sind also keinesfalls ein Indiz dafür, dass ich mich be­sonders wohlfühle. Ganz im Gegenteil! 

Man sagt, Sie leben als Dauersingle.
Ja, das stimmt. Ich bin kein besonders sozia­les Wesen geschweige denn ein umgäng­licher Partner. Daran ist wieder mal mein Stoffwechsel Schuld — wenn man denn von Schuld sprechen mag. Er lässt mir nicht die Ruhe für Gemeinschaftliches oder gar kuschelige Zweisamkeit. Wir Maulwürfe sind da anders als etwa Murmeltiere oder die bei Menschen so beliebten Hunde. Wir sind einzelgängerisch und territorial. Artgenossen, die meine Gänge mitbenutzen und sich quasi an den gemachten Tisch setzen wollen, verjage ich energisch. Nur im Frühjahr übernehmen andere Hormone das Regiment. Weibliche Artgenossen riechen dann einfach unwiderstehlich. Kurz nach der Paarung ist die romantische Stimmung aber wieder vorüber. Was zählt, sind dann allein die Nahrung, das Graben und für die Weibchen die Jungenaufzucht. 


Viele Menschen wollen Sie nicht in oder unter Ihrem Garten haben.
Ja, das stimmt leider. Unsere Lobby-Arbeit ist schlecht. Begriffe wie Nützling, Boden­belüftung oder gar Schönheit und Faszination werden mit meiner Art selten assoziiert. Deshalb hab ich mich auch bis an Ihr Mikro­fon gegraben. Ich möchte Werbung machen für die Maulwürfe. Ich weiß, dass unsere Hügel auf einem gepflegten Rasen nicht schön aussehen und beim Mähen störend sind, das rechtfertigt meiner Ansicht nach nicht die Heftigkeit, mit der man auf uns reagiert.

Wie denn zum Beispiel?
Sie fluten meine Gänge. Nicht wenige Maul­würfe ertrinken dabei jämmerlich in ihren Tunneln. Übelriechendes Gas und stinkende Jauchen aus Lebensbaum, Holunder oder Knoblauch werden gegen mich eingesetzt. Sie können sich vorstellen, wie das auf ein Lebewesen mit einer so feinen Nase wie der meinen wirkt. Ich muss Reissaus nehmen und meinen Wohnort — jedenfalls vorerst —verlagern. Am schlimmsten sind jedoch die Totschlagfallen. Es ist schon lange nicht mehr erlaubt, sie aufzustellen, Bundesnatur­schutzgesetz und die Bundesartenschutz‑verordnung schützen mein Leben. Lärm geht mir übrigens tierisch auf die Nerven. Früher musste ich die Heulgeräusche ertragen, die durch Flaschen, die in meinen Tunnel gesteckt wurden, entstanden oder das Schlagen gegen Holzpflöcke. Heute sind es Ultraschallgeräte. Meist ziehe ich dann weiter in Gärten, in denen es ruhiger zugeht.

Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?
Mir und meinesgleichen ein langes Leben, immer reichlich Wurm in den Gängen
und dass die Menschen uns irgendwann als das akzeptieren, was wir sind: faszinierende, nützliche Geschöpfe und ein Teil ihrer belebten Umwelt.
 
  
Herr Talpa, wir Anken Ihnen für dieses Gespräch!


ANDREAS LAMPE, 
Publikation Flora Garten 9/11

Freitag, 24. Juni 2011

Käfer Therapie

"Wenn dir eine Laus über die Leber läuft,
lade Marienkäfer ein!"

© Helga Schäferling

Dienstag, 14. Juni 2011

Glück ist. ....

"Glück ist Gegenwart ohne Denken... "
c: Oswald Spengler

Sonntag, 29. Mai 2011

Wünsche

"Möge aus jedem Samen, den du säst, 
 wunderschöne Blumen werden,
auf dass sich die Farben der Blüten in deinen Augen spiegeln
und sie dir ein Lächeln aufs Gesicht zaubern."
c: Irischer Segenswunsch

Mittwoch, 25. Mai 2011

Der Wanzentanz


Es laden ein zum Wanzentanz
die Wanze Konstanze
mit ihrem Franz

Käfer und Schnecken
und rote Ameisen
wurden gebeten doch bald anzureisen

Denn einmal im Jahr
das ist Tradition bei den Wanzen
lädt man die guten Freunde zum Tanzen

Aus dem Keller die Asseln
vom Miste die Käfer
sich windende Würmer und Motten aus Jever

Die letzten die fehlen
sind die spinnenden Spinnen
jetzt sind alle da, jetzt kann es beginnen


Die Kapelle legt los
alle fangen an zu tanzen
Motten, Käfer, Würmer, Wanzen

 

Sie kriechen, krabbeln,
schleimen und springen
im Takt der Musik beginnen sie auch noch zu singen

Die Stimmung die steigt
so wie einer über den anderen
kopfüber, kopfunter man kann's nicht mit ansehen

Ein Riesengewimmel
das wir nie verstehen
wenn die Wanzen sich im Tanze drehen

Doch am Ende
da ist es allen klar
wie wunderbar, bis zum nächsten Jahr.

c: Hauke Cornelius

Donnerstag, 10. März 2011

Kairos oder in der Zeit

"Das Morgen kann nur blühen, wenn es im Gestern wurzelt
und im Heute wächst "
c: Francois Denine

Freitag, 28. Januar 2011

Achtsames Beobachten

"Man sieht oft etwas hundert Mal, tausend Mal,
ehe man es zum aller ersten Mahl wirklich sieht."
c: Christian Morgenstern

Mittwoch, 5. Januar 2011

Rezept aus alten Tagen

"Man nehme 12 Monate,
putze sie sauber von Neid, Bitterkeit, Geiz, Pedanterie
und zerlege sie in 30 oder 31 Teile,
so dass der Vorrat für ein Jahr reicht.

Jeder Tag wird einzeln angerichtet aus 1 Teil Arbeit und
2 Teilen Frohsinn und Humor.

Man füge 3 gehäufte Esslöffel Optimismus hinzu,
1 Teelöffel Toleranz, 1 Körnchen Ironie und 1 Prise Takt.
Dann wird die Masse mit sehr viel Liebe übergossen.
Das fertige Gericht schmücke man mit Sträusschen kleiner Aufmerksamkeiten
und serviere es täglich mit Heiterkeit."
c:Katharina Elisabeth Goethe (1731-1808)


Samstag, 1. Januar 2011

Zeit - ein flüchtiges Wesen (neue 525 600 Minuten stehen uns 2011 zur Verfügung)

"Zeit haben, die Zeit vergessen zu können.
Zeit haben, zu sehen und zu erkennen.
Zeit haben, zu hören und zu erfühlen.
Zeit haben, zu weinen und zu lachen.
Zeit haben, achtsam zu lieben.
Zeit haben, glücklich zu sein."
unbekannt